Black Monday oder: Das fängt ja gut an!

© Tim Reckmann / pixelio.de

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Gestern und heute blieb unsere »Börse« geschlossen! Es konnten keine Proben stattfinden, weil der ENRON-Präsident nach drei Monaten des sinnlosen Kräftemessens seiner Mandel-, Nebenhöhlen- und Bindehautentzündung erlegen ist (genauer sollte die Diagnose hier nicht ausfallen, es handelt sich ja schließlich nicht um den Blog der »Apotheken-Rundschau«.).
Natürlich ist nicht Jeffrey Skilling persönlich erkrankt, denn der genießt in dem Gefängnis, in welchem er inhaftiert ist, beste medizinische Versorgung.
Nein, sondern lediglich der Typ, der ihn verkörpern sollte, namentlich Aurel Bereuter. Theaterbesuchern bekannt als ewiger »Märtyrer«, der u. a. als Thomas Stockmann im VOLKSFEIND oder als Kurt Gerstein im STELLVERTRETER regelmäßig ins Messer all derer läuft, die nichts verändern und lieber langsam verrecken wollen.
So, und jetzt wollte ich hier mal die Obersau Jeff Skilling raushängen lassen und »dem Bösen« (das ja immer außen ist und mit uns NICHTS zu tun hat) Vorschub leisten, meine Untergeben bis aufs Blut triezen, Mitarbeiter einschüchtern, Konkurrentinnen mit Büro-Sex gefügig machen etc. und siehe: Da liegt er …

© Stefanie Lassahn

Vergangene Woche noch fit auf der Probebühne: Aurel Bereuter alias Jeffrey Skilling (hier links im Bild zusammen mit Daniel Rothaug alias Andy Fastow)

An dieser Stelle kommt dann gerne mal die Frage: »Warum macht das denn nicht ein anderer? Habt ihr keine Doppelbesetzung?« NEIN, haben wir NICHT. In keiner Produktion. So etwas gibt es vielleicht bei »König der Löwen«, »Mamma Mia«, oder anderen »en suite«-Stücken, die bis zu 9-mal die Woche laufen.
Bei uns im Repertoire-Betrieb, wo die meisten SchauspielerInnen laufend drei, vier verschiedene Stücke spielen und parallel schon das nächste proben, ist das weder zeit- noch kräftemäßig zu leisten. Von der komplexen Disposition ganz zu schweigen, weil in jedem Stück völlig andere personelle Konstellationen vorkommen und die Leute sich ja auch zum Proben treffen sollten. Abgesehen davon wäre eine Doppelbesetzung kostenmäßig nicht zu stemmen. Vor allem jetzt, wo – wie in anderen städtischen Bereichen auch – unsere Abteilungen erneut rigide zusammengestrichen wurden.
Was natürlich immer geht und auch beim STELLVERTRETER angewandt wurde, ist: »umbesetzen«. Da (zumindest) ich das nicht will, verschwinde ich jetzt ganz schnell wieder ins Bett, damit ich bald wieder fit genug bin, um andere fertig machen zu können (ich musste das jetzt alles kurz los werden, damit ich mit dem »werde-endlich-gesund-Druck« besser umgehen kann …).
Was ENRON mit dem VOLKSFEIND und dem STELLVERTRETER, dem OTHELLO und dem NACKTEN WAHNSINN aus meiner Sicht zu tun hat, dazu äußere ich mich, wenn ich wieder etwas klarer im Kopf bin.

Bis dahin,
Euer Jeff

 

Aurel Bereuter

© Oliver Berg

Autor heute:
Aurel Bereuter
Schauspieler

Aurel Bereuter wurde 1973 in Dornbirn/Österreich geboren. Nach ersten Erfahrungen als Hirtenjunge auf der Alm und mehrmonatigen Praktika in Kanada und Australien wurde er zum Agrar-Ingenieur ausgebildet. Anschließend folgte ein Schauspielstudium am Max Reinhardt Seminar in Wien.
Sein Erstengagement führte ihn ans Mainfrankentheater in Würzburg, darauf folgte eine siebenjährige Festanstellung am Theater Ingolstadt, wo er für seine künstlerische Arbeit und vor allem für die Darstellung des Don Karlos im Jahre 2007 mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet wurde. Danach machte er sich selbständig, verbrachte einen Herbst auf der Insel Iona (Schottland), gastierte unter anderem am Staatstheater Nürnberg in ENRON (das erste Stück, das ihm nun zum zweiten Mal begegnet) und tourte mit seinem Solo-Abend DIE PSYCHE DER FRAU durch ganz Süddeutschland.
Gemeinsam mit seiner Frau Annette (Choreografin) bietet er diesen Sommer auf der familieneigenen Alm im Bregenzerwald (mit Blick auf den Bodensee) wieder den Persönlichkeitsworkshop NATUR-SCHAUSPIEL-KÖRPER an. Die beiden verbinden Theater-Know-How mit systemischen Ansätzen und schaffen geschützte Räume, in denen sich Menschen spielerisch entdecken können. Rückmeldungen von Menschen (u.a. aus Münster und Hamm) finden Sie unter www.huetten-seminare.at.
Seit 2012 ist Aurel im Ensemble des Theaters Münster, er spielte hier unter anderem Thomas Stockmann in EIN VOLKSFEIND, die Titelfigur in TARTUFFE, Ben in DETROIT, Jason in DAS GOLDENE VLIESS, Gerstein in DER STELLVERTRETER und in den Musicals THE BLACK RIDER und ANYTHING GOES.

4 thoughts on “Black Monday oder: Das fängt ja gut an!

  1. Alexander Emmerich

    Und trotz Krankheit noch mit durchaus spitzer Feder verfasst – bemerkenswert! Auch von mir auf diesem Wege rasche Genesung.

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  2. Jeffrey Skilling

    OSTERMONTAG
    Jeff ist wieder „gesund“.
    Alle Entzündungsmarker sind gefallen wie der Aktien-Kurs von ENRON in den letzten Tagen vor der Pleite. Sämtliche Symptome sind erfolgreich „bekämpft“. Alle inneren und äußeren Aggressoren „ausgeschaltet“.
    Die Achse des Bösen wurde wieder korrekt „eingenordet“
    Was bleibt ist das Muster der Selbstüberforderung! na ja…
    Aber da konnte mir mein Cluster-Mediziner schon erheblich die Augen öffnen.
    Die ClusterMedizin® ist ein Analyse- und Therapieverfahren, das moderne Forschung mit traditionellem Wissen vereinigt. Ihre Wurzeln liegen in der Paracelsus-Spagyrik, der Kristallographie und der Quantenmechanik. Die Analyse gibt Aufschluss über Körper- sowie Psycheprozesse und liefert «maßgeschneiderte» Therapievorschläge.
    Was der Rainer Schulte mit mir in den letzten Tagen veranstaltet hat, ist beachtlich. Vielen DANK dafür.
    Dieser Mann ist ein wunderbares Ur-Westfälisches-Philantropen-Phänomen. (www.clustertherapeut.de)
    bisbaldEuerJeff

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