THE BIG SHORT – Filmtipp zu ENRON

© Stefanie Lassahn

© Stefanie Lassahn

Wie es der Zufall so will: Während meiner Gastinszenierung in Halle im Januar hatte ich mal wieder einen Abend frei. Und was macht ein Theaterintendant an einem solchen Abend in einer fremden Stadt? Er geht ins Kino. THE BIG SHORT – ich hatte davon gehört, wusste aber eigentlich nur, dass Brad Pitt, Christian Bale und Ryan Gosling mitspielen und dass der Film 2015 in Amerika für einiges Aufsehen gesorgt hatte. Und dann…? Erschreckend, beklemmend und faszinierend zugleich, zu sehen, wie unsere Finanzwelt funktioniert und wie es zur großen Immobilienblase kommen konnte, die 2007/08 die gesamte Weltwirtschaft ins Wanken brachte.

Im Film wetten vier tollkühne Männer auf den Crash des Finanzsystems – und gewinnen dabei Millionen, wobei es Regisseur Adam McKay gelingt, aus der Drögheit von Finanzthemen einen überaus spannenden und cineastisch interessanten Film zu machen.

Als Zuschauer fragt man sich beim Sehen des Films unweigerlich: War das wirklich so? Das kann doch nicht wahr sein! Es war so. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch des Finanzjournalisten Michael Lewis (2010), der früher selbst Banker war und für das Buch monatelang recherchierte, mit Bankern und Hedgefonds-Managern sprach und sogar Einblicke in E-Mails aus der Zeit vor, während und nach der Krise bekam.

Als wäre der Film nicht schon beklemmend genug: Quintessenz ist, dass es in der Finanzwelt gerade so weitergeht wie vor der Krise, dass es keinerlei wirkungsvolle Regulierung gibt und dass die Haifische sich weiterhin fröhlich im Becken der Finanzwelt tummeln.

Der Film erscheint demnächst auf DVD. Mein Tipp: Unbedingt ansehen – perfekte Vorbereitung auf unsere Schauspielproduktion ENRON!

 

Trailer zum Film:

 

Autor heute:
Dr. Ulrich Peters
Generalintendant

Ulrich Peters studierte in München Literatur-, Theater-, und Musikwissenschaft, ferner Betriebswirtschaft (Schwerpunkt Unternehmenskultur und Marketing) und arbeitete bereits während seines Studiums gastweise als Regieassistent. Sein erstes festes Engagement führte ihn 1981 nach Freiburg. 1987 folgte ein Festengagement als 1. Spielleiter am Bremer Theater. Neben diversen Inszenierungen an anderen Opernhäusern promovierte er in dieser Zeit auch über »Die Oper des 17. und frühen 18. Jahrhunderts auf der modernen Opernbühne«.

Pavel Fieber holte Peters 1991 als Oberspielleiter ans Pfalztheater Kaiserslautern, wo er in den folgenden sechs Jahren den Musiktheater-Spielplan durch Aufführungen selten gespielter Komponisten entscheidend prägte. Zwischen 1997 und 1999 arbeitete Ulrich Peters als Oberspielleiter des Musiktheaters und Leiter der Händel-Festspiele am Staatstheater Karlsruhe. Von 1999 bis 2007 war er Intendant am Theater Augsburg, von 2007 an leitete er das Staatstheater am Gärtnerplatz in München bis zu dessen (sanierungsbedingter) Schließung 2012. Seit August 2012 ist er Generalintendant des Theater Münster.

Neben seiner Intendantentätigkeit und Inszenierungen an den eigenen Häusern ist Ulrich Peters regelmäßig als Gastregisseur tätig, so u.a. am Staatstheater Karlsruhe und am New National Theatre in Tokyo, am Landestheater Innsbruck, am Opernhaus in Daegu (Südkorea) und an der Oper Halle.

3 thoughts on “THE BIG SHORT – Filmtipp zu ENRON

  1. Heidi

    The Big Short, Enron, die Finanzkrise, Hedgefonds, Panama Papers – wie kommt man da bloß wieder ‚raus?

    Ich freue mich auf die Premiere!

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    1. Yogi

      Unter der Überschrift „Finanz-Porno“ kommentierte Slavoj Zizek die „Panama Papers“ und kommt dabei auch auf Enron zu sprechen:“Den Enron-Konkurs vom Dezember 2001 kann man als ironischen Kommentar zum Begriff der RisikoGesellschaft begreifen. Tausende amerikanische Angestellte, die ihren Arbeitsplatz und ihre Ersparnisse verloren, hatten sich blindlings ihrem Schicksal ergeben. Die Manager aber, die Einblick in die Risiken hatten, minimierten ihr eigenes Risiko, indem sie ihre Aktien und Optionen vor dem Konkurs verkauften.

      Reply
  2. Jürgen

    Vielen Dank für den Tipp! Der Film ist leider komplett an mir vorübergegangen, als er im Kino lief. Daher werde ich ihn mir jetzt auf jeden Fall für den DVD-Start vormerken. Und Enron ist sowieso schon geplant. 🙂

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