Wie SCH3 GH zu ENRON wird … am Anfang war der Platzhalter

© Stefanie Lassahn

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Der eine oder andere interessierte Theaterbesucher hat sich vielleicht schon einmal gefragt, wie sich so ein Spielplan an einem Theater zusammensetzt. 350 Mitarbeiter mit 6- oder 7-Tage-Woche, mit 6 verschiedenen Tarifverträgen und 4 Gewerkschaften halten starke Vorgaben zur Entstehung einer Jahresdisposition mit 30 bis 35 Premieren am Theater Münster bereit.

An jedem Anfang, ca. anderthalb bis zwei Jahre vor Spielzeitbeginn, steht bei mir der Platzhalter. Es entstehen Premieren- und Konzerttermine in allen Spielstätten unter Berücksichtigung von Produktionszeiten und Verfügbarkeiten von Darstellern. Das Orchester mit seinem sehr klar definierten Tarifvertrag gibt für alle Planungen im Großen Haus viele Termine vor, denen sich die anderen Sparten beugen müssen. Schließlich sind wir ein Fünfspartenhaus und alles soll so gut wie möglich untergebracht werden!

Nach den Premierenterminen folgt meine Disposition mit Erstellung der Abojahresplanung, der End- und Bühnenproben und schließlich das Feintuning für die 6-wöchige Probenzeit auf einer unserer Probebühnen.

Ca. ein halbes Jahr vor Spielzeitbeginn – wir sind immer sehr gespannt auf die Titel – verrät Schauspieldirektor Frank Behnke mit seinem Team, wie das SCH3 GH (das 3. Schauspiel in der Spielzeit im Großen Haus) denn nun heißen soll. Im Dezember 2014 stand fest: SCH3 GH wird zu ENRON.

Nun ist es endlich soweit: Demnächst wird ENRON das erste Mal von der Probebühne in der Rudolf-Diesel-Straße ins Große Haus kommen. Das Original-Bühnenbild wird erst am 8. April, dem Tag der sogenannten »Technischen Einrichtung« entstehen, an dem alle Bühnenteile aus den Werkstätten in Roxel angeliefert werden und das komplette Bühnenbild das allererste Mal montiert wird. Nach etlichen Tagen mit Beleuchtungs- und Endproben im Großen Haus wird das Stück schließlich am Samstag, den 23.4.2016 Premiere feieren – ein Termin, über den ich vor ca. 2 Jahren als SCH3 GH das erste Mal nachgedacht habe, und der über die ganze Zeit mit allen beteiligten Kollegen Form gewonnen hat, zuallererst natürlich durch das Regieteam rund um Dominique Schnizer.

 

Autorin heute:
Susanne Ablaß
Künstlerische Betriebsdirektorin

© Stefanie Lassahn

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Susanne, aufgewachsen in Bremen, war schon früh musizierwütig und studierte mit 17 Jahren Flöte im fränkischen Würzburg. Ihr Studentenjob an der Theaterkasse ließ ungeahntes Interesse für Theater und Organisatorisches wach werden. Ein optimistischer Intendant verschaffte ihr schnell eine Stelle in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und anschließend im Bühnengeschehen als Regieassistentin und Inspizientin. Das Feuer war nun komplett entfacht und »nur Musik machen« nicht mehr denkbar.
Ihr weiterer Weg lag auf der Hand: Über die Arbeit in Künstlerischen Betriebsbüros in Trier und Augsburg, wurde sie 2007 in Regensburg die jüngste Chefdisponentin Deutschlands und ist – nach einer weiteren Zwischenstation in Ulm – 2012 am Theater Münster gelandet. Von ihren vertrauten Kollegen wird sie hier gern »Susi Sorglos« genannt, was aufgrund der Komplexität der täglichen Arbeit mal so oder so aufgefasst werden kann. 🙂

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